Frauenwohnungsprojekte haben in Frankfurt Tradition

Ausgelöst durch den Mangel an adäquatem Wohnraum für alleinlebende/ alleinerziehende Frauen kam in Frankfurt bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts eine Gruppe engagierter Frauen zu dem Schluß, daß sich "die Frau selbst die Wohnungen schaffen muß, die sie braucht" (aus einem Flugblatt der Frauenwohnungsgenossenschaft, 1916).

Sie gründeten im Juli 1916 die "Frauenwohnungsgenossenschaft Frankfurt am Main" mit dem Ziel, "Frauen mit begrenztem Einkommen gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten, ermieteten oder angekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen". Leider konnten sie trotz bereits sehr konkreter Pläne aufgrund der angespannten politischen und wirtschaftlichen Situation - erster Weltkrieg, Baustoff- und Arbeitskraftknappheit, Inflation - ihr Ziel nicht verwirklichen; die Frauenwohnungsgenossenschaft wurde 1922 wieder aufgelöst.

In den 20er Jahren meldete sich erneut eine Gruppe engagierter Frauen zu Wort, die dasselbe Ziel verwirklichen wollte:"minderbemittelten berufstätigen Frauen... billige, gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen ... zu verschaffen". Nach längerer Vorarbeit gründeten sie 1926 die "Siedlungsgenossenschaft berufstätiger Frauen". Sie waren schnell erfolgreich; nach Beschaffung eines Erbpachtgrundstücks in Frankfurt an der Adickesallee/Loenstraße/Frauensteinstraße konnte bereits Ende 1926 mit dem ersten Bauabschnitt der wohnhausgruppe berufstätiger Frauen begonnen werden; 1929 wurde das Projekt fertiggestellt und bezogen.

Diese Wohnhausgruppe bestand (und besteht heute noch) aus drei Blocks mit insgesamt Drei-, Vier- und Fünfzimmerwohnungen, die in der Regel jeweils von mehreren Frauen gemeinsam bewohnt werden. Alle Wohnungen waren für damalige Verhältnisse hervorragend ausgestattet (Zentralheizung, Warmwasser, Einbauküche), um den Frauen die Hausarbeit zu erleichtern, Dazu diensten auch verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen wie ein zentrale Waschküche und ein Bügel- und Trockenraum. Aus Sicherheitsgründen war jede Wohnung an eine Alarmanlage angeschlossen. Für eine gemeinsame Freizeitgestaltung gab es einen Gymnastikraum sowie einen Garten. Die Mitbestimmung der Bewohnerinnen und die Selbstverwaltung wurden formal über die Genossenschaft und deren Versammlungen geregelt; alle Hauptmieterinnen waren auch gleichzeitig Genossinnen.

Ab 1933 gab es - ausgelöst durch die nationalsozialistische Herrschaft und eine entsprechende ideologisch gefärbte Gesetzgebung - drastische Einschnitte in der Genossenschaft und im Leben der Genossinnen. Die Genossinnen wurden gezwungen, die Satzung bis zur Unkenntlichkeit zu ändern: Jüdinnen mußten die Wohnhausgruppe verlassen bzw. wurden deportiert, viele Frauen - vor allem sog. "politisch Unzuverlässige" - verloren ihre Stellung und konnten sich die Wohnungen nicht mehr leisten. 1940 wurde die Genossenschaft mit Hilfe des neu erlassenen Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes schließlich gezwungen, sich aufzulösen, bzw. sie wurde mit dem Volks-, Bau- und Sparverein verschmolzen. In deren Besitz befinden sich die Häuser noch heute.

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